Man musste schon das Schlimmste befürchten. Ende April war in Deutschland
von Frühling noch keine Spur. Stattdessen Kälte, Dauerregen und bis
zum Beginn der Fahrt nicht mehr viel Zeit. Als dann aber am 7. Mai
der Bus des Reiseunternehmens ,Die Wilde 13" am Busbahnhof in Hannover
bereitstand, lachte die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Die erste Leserreise
der Zeitschrift Altenpflege in die Niederlande konnte besser nicht
losgehen.
Ein Hauch Urlaub
Für 20 Leser hatten die Zeitschrift und ihr Kooperationspartner,
die Bildungsvereinigung ,Arbeit und Leben Niedersachsen" aus Göttingen,
diese Reise durch die Altenhilfe unseres Nachbarlandes konzipiert.
Die Plätze waren wenige Tage nach Veröffentlichung des Angebots
vergriffen - samt und sonders von Leserinnen. Aus Bonn und Bremen,
aus Brandenburg und dem tiefsten Bayern, aus Einrichtungen bekannter
Träger und aus kleinen privaten Häusern hatten sich Altenpflegerinnen,
Pflegedienstleiterinnen und Heimleiterinnen für diesen sechstägigen
Bildungsurlaub entschieden. Wobei der Begriff ,Urlaub" durchaus
wörtlich zu nehmen ist. Neben der Besichtigung zahlreicher Einrichtungen
und den Gesprächen mit Fachleuten vor Ort hatten die Veranstalter
auch den touristischen Aspekt nicht ganz außer Acht gelassen. In
Groningen gab´s eine gemeinsames Abendessen auf einem urigen Pfannekuchen-Boot,
in Amsterdam eine beschauliche Grachtenrundfahrt, in Zandvoort einen
sonnigen Strandspaziergang.
Doch der Schwerpunkt lag fraglos auf dem Fachlichen. Im ,Zorgkantoor"
des Bezirks Groningen informierten sich die Teilnehmer über den
Aufbau des niederländischen Gesundheitswesens und wie für jeden
Pflegebedürftigen die richtige Wahl zwischen ambulanten Anbietern,
Altenwohnheim und Pflegeheim getroffen wird. Im Groninger ,Noorderpoortcollege"
erhielten die Mitreisenden einen groben Überblick über das Ausbildungssystem
in den Niederlanden, das seit geraumer Zeit generalistisch ausgerichtet
ist und von der Ausbildung zum hauswirtschaftlichen Helfer (Zorghulp)
bis zum Studium an einer Fachhochschule (Verpleegkunde) wie ein
Baukasten mit fünf verschiedenen Qualifikationsniveaus aufgebaut
ist.
So rege sie sich bei derartigen Vorträgen auch beteiligten - die
Besuche vor Ort hatten bei sämtlichen Teilnehmerinnen Priorität.
In Groningen konnten sie sich in einem Altenwohnheim der ,Stichting
Patrimonium" umsehen. In Assen begutachteten sie die gerontopsychiatrische
Einrichtung ,Nieuw Graswijk" und das somatische Haus ,Anhalt" der
,Stichting Interzorg". Und in Roden schauten sie sich ,De Hullen"
an, eine Kombination aus Altenwohn- und Pflegeheim. Die Mitarbeiter
dieser Häuser hatten sich Zeit für den Besuch aus der Bundesrepublik
genommen, machten Rundgänge, beantworteten Fragen und zeigten sich
gleichzeitig neugierig, was denn die niederländische von der deutschen
Altenpflege unterscheidet.
Ein Batzen Bildung
Eine Frage, die sich über sechs Tage natürlich auch die Teilnehmer
der Altenpflege-Leserreise immer wieder stellten. Und nicht abschließend
beantworten konnten. Sie habe keine großen Unterschiede festgestellt,
meinte eine Teilnehmerin - hier wie dort werde sorgfältig mit den
Wünschen und Bedürfnissen der Bewohner umgegangen. Das sehe sie
völlig anders, konterte eine andere Mitreisende - gerade was die
Arbeit mit Demenzkranken angehe, seien die Niederländer weiter als
die Deutschen. Sie nehme jedenfalls Anregungen für viele Kleinigkeiten
mit nach Hause.
Stoff für Diskussionen gab es also reichlich. Auch die Qualität
so manchen Hotelzimmers und die Genießbarkeit so mancher Mahlzeit
trugen dazu bei, dass den Reisenden bei ihrer Tour quer durch die
Niederlande nicht langweilig wurde. Manche waren sogar derart angetan
von der Bildungsreise, dass sie gleich nachfragten, ob sie für die
nächsten Trip schon ein Plätzchen vorbestellen könnten.
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