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Leserreise Tschechien

Wo Kafka alt geworden wäre
Fünfzehn Altenpflege-Leser reisten eine Woche durch die Tschechische Republik, um die Pflege im Nachbarland kennen zu lernen. Sie fanden einige Ähnlichkeiten, viele Besonderheiten und nahmen außer schönen Souveniers auch Anregungen für die Pflegepraxis mit nach Hause
 
---Vergrößern mit Klick auf das Bild---
 
     
Sightseeing auf der Altenpflege-Leserreise: Hier vor dem Haupteingang zum Prager Hradschin. Gern zeigten die Bewohner ihre Zimmer: Betreutes Wohnen in Telc   "Baroness" (vorne) ist Teil des Therapieangebotes in einem Altenheim in Trebic  


     
Über das große Interesse der deutschen Altenpfleger freute sich Schwester Konsulata (rechts) beim Rundgang durch die Heime in Prag   Nach den Rundgängen durch die Einrichtungen entspannen sich intensive Gespräche  

     
In vielen Dienstzimmern wachte Vaclav Havel (oben). Vladimira Novotna (rechts) von der Caritas in Znojmo dolmetschte mit Sachverstand   In der Krankenpflegeschule in Znojmo gibt es neun Übungs-Puppen für 330 Schülerinnen: "Ich bin fast neidisch geworden"   Blick in die Badeabteilung des "Hauses mit Fürsorgedienst" in Znojmo  

     
Im "Haus mit Fürsorgedienst" in Znojmo haben die Bewohner Gelegenheit, in einem kleinen Laden ihre Einkäufe zu erledigen Rundgang durch das "Haus mit Fürsorgedienst" in Znojmo   In der Krankenpflegeschule in Znojmo erläuterte die Schulleiterin (links) die tschechische Pflegeausbildung. Es übersetzte Susanne Chalovpkova, ehrenamtliche Helferin der Caritas.  

     
Die Prager Pflegeeinrichtung "Sue Ryder" zieht die Öffentlichkeit des Stadtteils in ihre hellen, freundlichen Räume. Unter anderem hat hier auch die Stadtbücherei ihr Domizil. Im Restaurant des "Sue Ryder" gibt es einen Mittagstisch, den Mitarbeiter, Bewohner wie auch Studenten und Büroangestellte aus der Umgebung aufsuchen.   Stadtführung durch Prag mit Alexander (mitte).  

     
Simona Saitlova (links), Leiterin eines Altenheimes in Trebic, verwirklicht viele gute Ideen. Auch das Essen ist nach neuen Erkenntnissen der Ernährungswissenschaft zubereitet - und schmeckt lecker. Im Geronto-Centrum am Prager Stadtrand gibt es eine Tagespflegeeinrichtung für Demenzkranke". Auch die Alzheimer Gesellschaft hat hier ihren Sitz.   Blick in die Kirche der Borromäerinnen in Prag  
 

Ein Kirchenraum in Blau, Rot und Gold. Im Mittelgang Schwester Konsulata ganz in Weiß. Wie sie mit lachenden Augen und ohne Pathos von ihrer täglichen Arbeit erzählt - daran werden sich die fünfzehn Teilnehmer der Leserreise in die Tschechische Republik wohl lange erinnern. Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt, möchte man singen, dem will er seine Wunder weisen ... . Ja, an ein kleines Wunder grenzt es schon, was die Schwestern der Kongregation des Heiligen Karl Borromäus auf die Beine stellen.
Nicht nur, dass sie in dem sanierten Gebäude am Stadtrand von Prag seit fünf Jahren jeweils 90 alte und kranke Menschen pflegen: Sie beherbergen und betreuen außerdem Frauen im offenen Strafvollzug. Die "Verurteilten", wie Konsulata sie nennt, arbeiten ohne Bewachung als Helferinnen in den Pflegeabteilungen und in der Hauswirtschaft. "Für sie ist es eine Frage der Ehre, hier zu bleiben, auch wenn die Türen offen stehen", sagt die Schwester, die versichert, dass für sie alle Menschen gleich seien.
Das Haus der Borromäerinnen bietet in Zwei- und Dreibettzimmern pflegebedürftigen Senioren, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, einen Heimplatz auf Zeit. Bis zu drei Monate dürfen sie bleiben, "so können wir mehr Menschen helfen", erklärt Schwester Konsulata. Vier Sozialarbeiterinnen vermitteln gegebenenfalls Pflegeplätze in anderen Einrichtungen und beraten Pflegebedürftige und deren Angehörige in sozialen und rechtlichen Fragen. Zu den Angeboten der Borromäerinnen gehört außerdem eine Tagespflege-Einrichtung, die allen Senioren des Bezirkes offen steht.

Hochmotivierte Pflegekräfte
Im Bus, auf der Fahrt ins Prager Stadtzentrum, lassen die Pflegefachleute aus Deutschland die dreistündige Führung Revue passieren. "Die Schwester strahlte Ruhe und Gelassenheit aus. Der nehme ich ab, was sie sagt - sie redet nicht nur, sie steht hinter dem, was sie sagt", fasst jemand seine Eindrücke zusammen. Eine andere meint: "Schon toll, wie motiviert die Schwestern sind, wie sozial sie denken - aber ich weiß, ich könnte das nicht". "Nur schade, dass dieses Heim keine Langzeitpflege bietet", bedauert eine Reiseteilnehmerin. Die Frage, wo in Tschechien schwerstpflegebedürftige Senioren für längere Zeit leben, wenn sie nicht zu Hause bleiben können, wird öfter gestellt und kann nicht vollständig beantwortet werden.



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